Wasserschloss mit Bürgergarten

Geschichte

Das Wasserschloss vor dem Umbau

Das ehemalige Wasserschloss zählt mit dem Fronhof zu den ältesten Gebäuden Rottendorfs und wurde vor 1500 errichtet. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1530, als der „Freysitz samt Eingehörungen“ als Verwaltungszentrum landwirtschaftlicher Güter diente. Eigentümer der Burganlage war Balthasar Schrautenbach, gebürtig aus Karlstadt und später Rentmeister, Amtmann und Hauptratgeber des hessischen Landgrafen Philipp. Seine sechs Söhne wuchsen in Hessen auf und verkauften im Jahr 1530 die „Wasserbehausung“ nach dem Tod ihres Vaters an Endres Büttner, den Schultheißen von Heidingsfeld. Möglicherweise könnte das Gebäude, das laut Verkaufsurkunde in langjährigem Besitz von Balthasar Schrautenbach gewesen war, noch einen Vorgängerbau gehabt haben. Jüngst vorgenommene Aufmessungen ergaben, dass die Mauern im östlichen Teil des Hauses wesentlich dicker sind als im Rest und zudem das Erdgeschoss hier tiefer liegt. Denkbar ist, dass es sich hier um ein mehrgeschossiges „Weiherhaus“ oder „Wehrspeicher“ gehandelt haben könnte.

Über das Aussehen des ehemaligen Wasserschlosses geben die Quellen Auskunft. Die „Burck“ war ursprünglich mit einer Mauer befestigt und bis 1580 von einem Wassergraben umgeben. Ein kleiner Bach von der „Weth“, einem kleinen Weiher mit Roßschwemme an der Stelle des heutigen Kriegerdenkmals, führte in den Pfarrgarten. Über eine Zugbrücke im Westen, die nicht mehr erhalten ist und den bestehenden Torbogen gelangte man in den Hof des Schlösschens, das aus einem einzigen Gebäude in der Größe des jetzigen Hauses bestand. Im Hof befand sich ein kleines Gärtchen, das durch eine Mauer gegen den Wassergraben nach Norden hin abgeschlossen war. Eine heute nicht mehr sichtbare Schießscharte in der Hofmauer belegt den wehrhaften Charakter der Anlage.

Zwischen 1530 und 1540 wechselten die Besitzer des Schlosses und seiner Güter häufig, wozu das spannungsreiche Verhältnis zur Stift Haug’schen Ortsherrschaft beitrug. Der fürstbischöfliche Kanzler Dr. Marsilius Prenninger verkaufte im Streit mit dem Stift Hauger Propst um den Fronhof 1533 seinen Besitz an Lamprecht von Bibra, dessen Wappenstein am Eingang des Schlosses noch heute zu sehen ist. Es folgten als weitere Eigentümer Anselm von Eltershofen, Amtmann von Lauda 1534 und Karl von Schaumburg zu Münnerstadt, ehe 1540 Philipp Suppan, der Stiftsdechant von Stift Haug alle Besitzungen einschließlich Schloss übernahm und sich die Rechte über Hoheit, Vogtei und Gericht sicherte.

Nachdem das baufällig gewordene Pfarrhaus neben der Kirche im Jahr 1500 abgerissen worden war und die Seelsorger von Rottendorf in Würzburg wohnen mussten, wurde das Wasserschloss ab 1585 Pfarrhaus. Obwohl das Wasser 1580 abgelassen wurde, konnte der Pfarrer nur den ersten Stock bewohnen. Aufgrund der Feuchtigkeit waren im Erdgeschoss Viehstall und Scheune untergebracht.

Im Zuge der Säkularisation gelangte das Pfarrhaus 1803 in den Besitz des Staates und hieß ab 1814 „Königliches Pfarrhaus“. Gründliche Renovierungen folgten und 1860 wurde ein Nebengebäude für die Stallungen errichtet, um auch das Parterre bewohnbar zu machen. Trotzdem klagten die Pfarrer immer wieder über den schlechten Bauzustand. 1881 wurde die katholische Kirche trotz geringer Begeisterung ihrerseits wieder Eigentümerin, nachdem der Staat ihr das Pfarrhaus geschenkt und eine Ablösesumme von 5.300 Mark gezahlt hatte.

Bevor Pfarrer Siegfried Vogt die Pfarrei in Rottendorf übernahm, wurde das Pfarrhaus 1973 erneut gründlich instandgesetzt und eine Zentralheizung eingebaut. Eine weitere Sanierung erfolgte 1993 in Abstimmung mit dem Denkmalamt, als Seelsorger Arnold Seipel die Pfarramtsstelle antrat.

Nach dem Erwerb des Grundstückes Vogel/Körber in unmittelbarer Nähe der Pfarrkirche St. Vitus durch die Gemeinde und dem Abbruch der dort stehenden Gebäude im Jahr 2004, ergaben sich für die katholische Pfarrei nach mehr als 400 Jahren endlich neue Perspektiven für die Errichtung eines Pfarrzentrums direkt neben der Kirche, mit Räumlichkeiten, die den heutigen Ansprüchen in Bezug auf Seelsorge und Verwaltung gerecht werden.

Schließlich kam es 2006 zwischen Pfarrei und Gemeinde zu einem Tauschgeschäft: Die Gemeinde Rottendorf kaufte das denkmalgeschützte Wasserschloss mit seinem über 4.300 qm großen Grundstück von der Katholischen Pfarrpfründestiftung, um das Areal zukünftig für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und veräußerte gleichzeitig eine Teilfläche aus den Grundstücken in der Kirch-, bzw. Obertorstraße für den Neubau eines Pfarrzentrums.

Im Jahr 2009 wurde ein Architektenwettbewerb ausgelobt, den die Architekten Kuntz + Manz gewannen. Nach der Grundsteinlegung im Jahr 2012 wurde das Wasserschloss renoviert und umgebaut zu einer Bücherei mit Lesecafé und Mehrzwecksaal für gemeinschaftliche Veranstaltungen und Trauungen.

Der Außenbereich wurde als Bürgergarten mit Rundweg entlang der Einfriedungsmauer gestaltet, der u.a. zum Verweilen an dem Seerosenbecken im Süden oder zu Theatervorstellungen auf der stationären Bühne an der Nordseite des inneren Mauerrings mit gegenüberliegenden Sitzrängen einlädt.

Mehrzwecksaal im 1. Obergeschoss
Lesecafé im Erdgeschoss
Bücherei
Bühne im Garten

Weitere Informationen

Benutzungsordnung
Zur Bücherei
Flyer zur Eröffnung und Segnung

Weitere Bilder

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